Minimalismus
23.03.2020

Profitlogik rächt sich

Von
 

Dass immer noch Millionen in Betrieben arbeiten müssen, die nicht für die Daseinsvorsorge notwendig sind, während die Menschen aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben, zeigt einmal mehr, dass die Profite an erster Stelle stehen. Angesichts der jahrelangen Versäumnisse in der medizinischen Intensivversorgung zeigt die herrschende Politik keine Spur von Einsicht. Diese Krise ist hausgemacht – durch eine langandauernde Unterfinanzierung des Gesundheitssystems und seine gleichzeitige Auslagerung in den privaten Sektor. Diese Profitlogik rächt sich nun.

Linke Politiker müssen jetzt die Chance ergreifen, ihre Positionen populär zu machen. Sie müssen aufzeigen, dass sie im Angesicht der Krise schon immer auf der richtigen Seite der Geschichte standen: Für eine Entprivatisierung der Gesundheitsstruktur, für eine Demokratisierung der Betriebe in Hand der Belegschaften und für eine Abschaffung der hoch prekären Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs, Werkverträge, Kettenbefristungen oder Leiharbeit. Dem Anpassungskurs der Linken in der Krise folgt mit Notwendigkeit die Ausweitung staatlicher Repressalien. Einige Grundrechte, die von linken und gewerkschaftlichen Kräften über viele Jahrzehnte erkämpft wurden, sind jetzt schon außer Kraft gesetzt.

(via)

 

23.03.2020

Wie viele unsolidarische Systeme will sich diese Gesellschaft noch leisten?

Von
 

Ein Grund dafür, dass das sonst nur bei Tieren auftretende Virus auf so viele Menschen überspringt, ist – wie schon bei Sars und Ebola – der falsche Umgang mit Tieren, die immer brutalere Penetration der Natur durch den Menschen. Der zweite Grund ist das atemlose Tempo, das die Globalisierung mittlerweile angenommen hat. Und der dritte Grund liegt darin, dass die Gesundheitssysteme alle mehr oder weniger auf Kante genäht und schnell überlastet sind. Schon klar, auch ein Gesundheitssystem mit besseren Kapazitäten würde jetzt in Not geraten. Aber längst nicht so sehr; Tausenden Menschen mehr könnte das Leben gerettet werden.

Unser Alltag muss deswegen so brutal runtergebremst werden, weil es in den Kliniken nicht genug Notfallbetten gibt, weil Ärzte eh schon zu viele Schichten fahren, weil das Pflegepersonal grotesk unterbezahlt und knapp ist, weil sich am Gesundheitssystem Aktionäre und Pharmakonzerne bereichern und weil es genug funktionierenden Lobbyismus gibt, der diesen Skandal verdeckt, zerredet und prolongiert. Bis jetzt. Im Grunde läuft es genauso wie bei der Finanzkrise: Einige wenige machen immense Gewinne, und wenn die Blase platzt, kommt die globale Gemeinschaft dafür auf. Nur wird das bei Corona noch um ein Vielfaches teurer als bei Lehman.

Am Ende dieser Krise wird die Frage durch die leeren Straßen wehen: Gesundheit, Finanzen, Klima – wie viele unsolidarische Systeme kann und will sich diese Gesellschaft noch leisten? Eine Gesellschaft, die sich im Moment so solidarisch zeigt, wie sie es bei der Wiedervereinigung nur behauptete zu sein und bei der Flüchtlingskrise vielleicht gern gewesen wäre, aber nur sekundenlang war.

(Ganzen Artikel lesen, Backup)

 

16.03.2020

Zwangspause für eine erschöpfte Gesellschaft

Von
 

Mag sein, dass der Corona-Stillstand auch die Sehnsucht vieler Menschen nach dem Reset-Knopf befriedigt und das Bedürfnis, in Ruhe gelassen zu werden.

Einerseits sagt man zu all den Seuchenbekämpfungsmaßnahmen: „Das geht doch nicht.“ Andererseits gibt es das Gefühl: „Jetzt ist endlich Ruhe im Karton.“

Wir müssen auf einmal nicht mehr tun, was wir eigentlich tun müssten, wir sollen es sogar nicht mehr tun – und haben dafür eine solidarische Begründung.

Corona verschafft einer überreizten, überforderten, erschöpften Gesellschaft eine Zwangspause. Wird die Gesellschaft daraus Lehren ziehen, wenn die Zwangspause zu Ende ist?

(Ganzen Artikel lesen)

 

13.03.2020

Warum die Globalisierung langsamer werden muss

Von
 

Vor etwa 250 Millionen Jahren gab es auf der Erde nur einen einzigen Kontinent; die Wissenschaftler nennen ihn heute Pangäa. Auf dem lebten im Vergleich zu heute nur sehr wenige Arten. Erst als diese Erdplatte auseinanderdriftete und die heutigen Kontinente entstanden, nahm die Artenvielfalt exponentiell zu. Den Grund dafür fand schon Charles Darwin heraus. Er hatte sich gefragt, warum in denselben Klimazonen in Lateinamerika, Afrika, Australien und Südasien so verschiedene Arten entstanden sind. Seine Antwort lautete: Vielfalt braucht Abstand. In Australien etwa konnten sich nur deshalb so viele verschiedene Beuteltierarten in den ökologischen Nischen breitmachen, weil es die in Europa und Amerika vorkommenden Wölfe oder Bären seinerzeit nicht bis nach Down Under geschafft hatten.

Diesen Prozess – Vielfalt durch Abstand – kehrt die Globalisierung nun um, indem sie Distanzen nichtig zu machen versucht. All jene Frachtschiffe etwa, die heute die globalen Lieferketten erst ermöglichen, laden zwecks Stabilisierung in ihren Ballastwassertanks an einem Ende der Welt Meerwasser, um es am anderen Ende wieder ins Meer zu lassen. Zehntausende Arten sollen dabei nach Schätzungen verschifft werden. Täglich.

Durch diese Art der Globalisierung findet ein unablässiger Artenaustausch statt. Eine Pflanze, die in ihrer Heimat durch evolutionär entstandene Feinde gebändigt wurde, kann in ihrer neuen Heimat – feindlos – Dutzende heimische Arten verdrängen. Dasselbe geschieht auch mit Landtieren und mit Krankheiten. So hat beispielsweise der Besuch asiatischer Touristen in einer amerikanischen Höhle Millionen Fledermäuse das Leben gekostet. Der Grund: das eingeschleppte Weißnasensyndrom.

Für die Natur ist in der Globalisierung immer Corona.

Biologisch betrachtet schafft die Globalisierung, so wie sie heute betrieben wird, also ein neues Pangäa, artenarm und öde, der Reichtum an genetischen Ressourcen stürzt gerade in erdgeschichtlichem Höchsttempo ab. Die Hauptprofiteure der Globalisierung mögen von diesen Dingen nichts wissen oder wissen wollen. Gleichwohl ahnen sie, dass ihre Kalkulation nicht aufgeht.

(Ganzen Artikel lesen)

 

05.04.2018

Plastik überall

Von Alexander Rubenbauer, Nürnberg
 

Plastik ist auf vielfältige Weise einsetzbar, preisgünstig und extrem lange haltbar. Genau deshalb wurde Plastik aber auch zu einem globalen Umweltproblem. Mittlerweile treiben gigantische Müllstrudel in den Meeren und Mikroplastik gelangt in die Nahrungskette.

Die Deutschen sortieren Müll wie verrückt, in einer Einzimmerwohnung kommt man sich schnell vor wie auf dem Wertstoffhof. Dabei sind die Recyclingquoten von Plastik erstaunlich niedrig. Der Plastikmüll mit der schlechtesten Qualität ging bislang nach China. Der Export von Müll ist illegal, wird aber legal, wenn der Müll zu Rohstoff umdeklariert wird. China hat keine Lust mehr auf den Müll, also wandert der ins Umland ab.

In dem nachfolgend verlinkten Film sieht man, wie ein chinesisches Kind sein Gesicht im „Abwasser“ unseres Plastiks wäscht. Da das Plastik von schlechter Qualität ist, haften daran im harmlosesten Fall noch Essensreste. Aber man gehe nur einen Schritt weiter und denke an die Verpackung von hochgiftigen Spülmaschinentabs. Und selbst das ist noch harmlos im Vergleich zu all den unvorstellbaren Substanzen, die ebenfalls am Plastik kleben könnten.

Und was passiert mit dem Plastik, das nicht einmal für diese armen Menschen noch von Wert ist, weil sie es nicht zu etwas aufbereiten können, für das irgendjemand noch ein kleines bisschen Geld bezahlt? Das wandert selbstverständlich in die Umwelt.

Die Umwelt, das ist das, was bei uns „irgendwo da draußen, um uns herum“ liegt — weil wir einen völlig entfremdeten Begriff davon haben, weil wir uns nicht mehr als Teil von ihr verstehen. Bei den armen chinesischen Familien beginnt die Umwelt jedoch direkt vor der Haustür. Und dort liegt auch der Müll, der von gar keinem Nutzen mehr ist, aber die nächsten hundert Jahre eben auch nicht verschwindet. Eine sachgerechte Entsorgung ist für diese armen Familien natürlich nicht zu leisten.

Das Märchen vom Trickle-down-Effekt zeigt sich hier dergestalt, dass anstelle von Wohlstand eine immer stärkere Verantwortungsdiffusion „nach unten“ durchsickert. Man delegiert Verantwortung, bis das unlösbare Problem am Ende bei den Ärmsten landet, die selber im Müll wohnen, und sich am Ende noch „glücklich“ schätzen „dürfen“, weil sie überhaupt Arbeit und damit ein gewisses Einkommen haben — selbst wenn es nur wenige Cent sind.

(Film ansehen)

 

← Ältere Artikel        

Suche: